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Grundlagen der Werkerhaltung

Um Kunstwerke, aber auch Archivmaterial eines Vor- oder Nachlasses langfristig zu erhalten, braucht es ein konservatorisches Konzept. Dieses hilft dabei, die optimalen Bedingungen für Lagerung und Ausstellung zu definieren, Risiken zu minimieren und die Lebensdauer der Kunstwerke zu verlängern. Wie umfangreich ein solches Konzept ausfällt, hängt u.a. von den finanziellen Möglichkeiten der Vor- und Nachlasshalter:innen ab und kann zusammen mit einem:einer Restaurator:in entschieden werden. Nachfolgend finden Sie einen Überblick über wichtige Grundlagen der Werkkonservierung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich um Richtwerte handelt, die vor allem für Museen und Depots mit strengen Regularien gelten. Aber auch für Privatpersonen können diese Vorgaben als wichtige Orientierungspunkte dienen:

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Klima

Kunstwerke sollten bei konstanter Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur gelagert werden. Klimaschwankungen führen zu Materialbewegungen, die Risse oder Farbablösungen verursachen können. Für Werke oder Sammlungen mit unterschiedlichen Materialien gibt es keinen einheitlichen Klimawert, sodass ein Kompromiss gefunden werden muss:

  • Luftfeuchtigkeit: 45–55 % (zu hohe Feuchtigkeit fördert Schimmel, zu niedrige führt zu Rissen)
  • Temperatur: 18–20 °C

  • Verwenden Sie gegebenenfalls ein Thermo-Hygrometer, um die Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Raum zu überwachen. Es lassen sich bereits sehr kostengünstige digitale Varianten finden. Installieren Sie gegebenenfalls einen Luftentfeuchter oder Luftbefeuchter.
  • Platzieren Sie Werke nicht in der Nähe von Wärmequellen, wie z.B. Heizkörpern.
  • Regale und Werke sollten von Außenwänden in einem Abstand von ca. 20 cm aufgestellt werden; bei Innenwänden reicht ein Abstand von ca. 10 cm.
Licht

Um Schäden durch Lichtstrahlung auszuschließen, sollte die Beleuchtung bei der Lagerung von Kunstwerken auf ein Minimum reduziert werden. Direktes Sonnenlicht (UV-Strahlung) sollte vermieden werden, da dieses Materialien abbaut und somit u.a. Farben verblassen lässt. Luxwerte (Lichtmenge pro m2) sind dabei ein wichtiger Richtwert für die Lichtintensität. Luxwerte können mithilfe eines Luxmeters gemessen werden. Mittlerweile gibt es aber auch Applikationen für Smartphones, welche die Beleuchtungsstärke messen können, wenn auch meist nicht so präzise wie ein Luxmeter.

Es gelten folgende Grenzwerte:

Zeichnungen, Aquarelle, Fotografien, Textilien

  • 0 Lux (Dunkelhaltung) -> max. 50 Lux bei Bedarf
  • Licht nur kurz einschalten, keine direkte Beleuchtung, UV-Schutz erforderlich

Drucke, Gouachen, Gemälde (Öl, Acryl, Tempera), Holz

  • 0 Lux (Dunkelhaltung) -> max. 150–180 Lux bei Bedarf
  • kein direktes Licht auf das Werk, diffuse Beleuchtung bevorzugt, UV-Anteil minimieren

Skulpturen (Metall, Keramik, Stein)

  • -> max. 300 Lux
  • weniger empfindlich, UV-Anteil eventuell minimieren

Exponate können durch UV-Licht absorbierendes Acrylglas geschützt werden. Hierbei sollten zwei wesentliche Dinge berücksichtigt werden: Das Werk sollte vollständig getrocknet sein (z.B. bei Acryl oder Öl) und die Glasscheibe sollte das Gemälde nicht berühren. Falls Fenster vorhanden sind, können UV-Schutzfolien (tragen meist auch zum Wärmeschutz bei) oder lichtdichte Vorhänge genutzt werden.

Materialeigenschaften

Jedes Material reagiert spezifisch auf Umwelteinflüsse. Besonders problematisch sind Kombinationen aus verschiedenen Materialien, da diese oft gegensätzliche Reaktionen zeigen. Grundsätzlich sollten die Partikel- und Schadstoffbelastung minimiert werden.
Kunstwerke vor Partikelbelastung wie Rauch, Staub oder Ruß schützen:

  • Staub kann sich auf Oberflächen ablagern und chemische Reaktionen auslösen oder Schimmelbildung begünstigen.
  • Tabakrauch enthält Chemikalien, welche Farben ausbleichen oder verändern können.


Eine optimale und konstante Luftfeuchtigkeit verhindert elektrostatische Aufladungen. Da elektrostatisch geladene Oberflächen Staub anziehen, wird somit die Staubablagerung auf Oberflächen reduziert. Fenster und Türen sollten möglichst dicht und geschlossen gehalten werden. Die Räumlichkeiten sollten regelmäßig gereinigt werden. Staubsauger mit HEPA-Filtern entfernen Staub, ohne ihn aufzuwirbeln.

Kunstwerke vor gasförmigen Schadstoffen schützen (wie Abgasen oder Ozon):

  • Ozon, freigesetzt durch alte Drucker oder Kopierer, kann Farben angreifen.
  • Schwefelverbindungen (z.B. von Autoabgasen) können Metalle korrodieren lassen und Pigmente chemisch verändern.


Bei hoher Partikel- oder Schadstoffbelastung sollte die Raumluft durch ein Raumluft-Messgerät überwacht werden sowie gegebenenfalls Luftreinigungssysteme zur Filterung der Raumluft angeschafft werden.

Schädlinge

Der Schutz von Objekten vor Schädlingsbefall setzt eine übersichtliche Lagerung, regelmäßige Reinigung und Überwachung von Insekten und des Klimas voraus. Es sollten möglichst negative klimatische Bedingungen für Insekten geschaffen werden.

  • Die Raumtemperatur sollte nicht über 20 °C liegen.
  • Fußböden und Regale sollten regelmäßig und gründlich gereinigt werden. Das Abstellen von Kartonagen oder Paletten auf dem Boden oder entlang von Wänden führt häufig zu Problemen bei der Reinigung.
  • Dicht schließende Schränke können dabei helfen, Schädlingsbefall zu vermeiden.
  • Es ist darauf zu achten, kein Essen in den Lagerräumen aufzubewahren und bestenfalls auch nicht zu konsumieren.


Mit einem systematischen, permanenten Monitoring und dem Einsatz von unspezifischen Klebefallen lässt sich das Vorhandensein von Insekten bzw. Schadinsekten einfach nachweisen. Dies gibt Aufschluss über die unterschiedlichen Insektenarten, deren Entwicklungsstufe und Quantität. Auf Grundlage dieser Ergebnisse können die jeweils nötigen Maßnahmen geplant und durchgeführt werden.

Brandschutz

Installieren Sie in allen Räumlichkeiten Feuermelder. Diese sollten in Bereichen mit erhöhter Brandgefahr positioniert und regelmäßig gewartet werden.

Expert:innen

Für weiterführende Fragen stehen Restaurator:innen zur Verfügung, die den Zustand von Kunstwerken, Briefen, Fotografien und anderen Sammlungsobjekten fachkundig begutachten. Sie entwickeln Konservierungs-, Verpackungs- und Lagerungskonzepte, die sowohl den spezifischen Erhaltungsanforderungen der Objekte gerecht werden wie auch die finanziellen Möglichkeiten der Auftraggeber:innen berücksichtigen. Ziel ist es, präventive Maßnahmen zu ergreifen, um Schäden an den Werken zu vermeiden. Sollten bereits Schäden aufgetreten sein, können restauratorische Eingriffe erfolgen, wobei der Erhalt der Authentizität und historischen Substanz oberste Priorität hat.

Der Berufsverband Österreichischer Restauratorinnen und Restauratoren ist hier eine verlässliche und empfehlenswerte Anlaufstelle.

Bei spezifischen Anliegen können Sie sich jederzeit an das Forum Vor/Nachlass wenden, das Sie gerne dabei unterstützt, kompetente Hilfe zu finden.